Unsichtbares sichtbar machen...

 Im Designstudio brannte noch Licht. Es war einer dieser späten Januar-Abende, als wir noch zusammen über

«DIE NEUE IDEE» brüteten. 

 

Wir hatten uns Tage zuvor eine neue Domain gesichert. «point.design» Und uns die Aufgabe gestellt, ein neues Symbol für unser Studio zu gestalten. Leichter gesagt als getan, ist doch nicht so einfach, eine neue, wie gesagt, eine wirklich «NEUE» Idee zu finden, wo es doch schon alles gibt. Wie soll denn so ein neues Symbol aussehen und wozu soll das eigentlich gut sein?

 

Nach ein paar Stunden Brainstorming und mit viel Café, Mineral, Gebäck, Schokolade steht einfach immer auf dem Tisch - stellten wir uns grundsätzlich mal die Frage, was ist eigentlich Design? Was wäre die logische Form für Design und wie kann man Design oder Designer symbolisch darstellen? Hat Design eigentlich eine Form? Wir suchten nach dem heiligen Gral!

 

Irgendeinmal kamen wir zu der Erkenntnis, dass Design zuallererst einmal nichts ist. Kann man nichts darstellen? Kann man nichts auch herstellen? Kann man nichts sichtbar machen? Ein Gedanke oder ein leeres Blatt Papier - ist das in dem Moment nichts? Eigentlich ist das Nichts noch nicht da, somit «unsichtbar». Nun hatten wir unsere erste Antwort gefunden. Unsichtbar! Also etwas, das nicht sichtbar war.

 

Interessant...! unsichtbar! Also nicht durchsichtig, sondern eher optisch unsichtbar.

Design beginnt stets mit einem Gedanken und der ist im ersten Moment noch unsichtbar. Ja…, aber wie macht man nun etwas Unsichtbareres sichtbar? Nun fingen die kreativen Rädchen wieder an zu drehen und wir suchten nach der ultimativen Form. Es musste mehr Schokolade her!

 

Nachdem wir nun alle Formen durchgekaut hatten, blieb logischerweise nur eine Form übrig. Wir hatten alle «Wenn’s» und «Aber’s» sorgfältig geprüft und was nicht passte eliminiert. Die Antwort lag auf der Hand, das ganze Universum vom kleinsten bis zum grössten Teilchen bedient sich dieser einen Form. OK! Wir waren uns einig, es musste «RUND» sein, denn rund ist absolut perfekt. Beziehungsweise eine runde Kugel ist absolut perfekt, da hat sich mal einer was dabei gedacht. Diese Form scheint am weitesten verbreitet zu sein. Nun wussten wir schon viel mehr. Es musste Rund sein und es musste Unsichtbares sichtbar machen. 

 

Am nächsten Tag präsentierte unser Grafikdesigner die erste visualisierte Kugelidee. Es war der legendäre «Sputnik»! Nun Ja..., zugegeben die Form war rund, aber zu nostalgisch. Die Wiedererkennung schien gross zu sein und das russische Design folgte auch einer bestimmten Logik. Die Form folgte der Funktion. Braucht wenig Widerstand. Aber wo gibt es im Weltraum schon Widerstand. Also, das war es noch nicht! Weitere gefühlte 199 Entwürfe später, die Pinnwand war voll tapeziert, standen wir vor der Entscheidung, wie weiter. Nichts wollte passen! Es war einfach nichts Unsichtbares dabei. Wir hatten an uns hohe Ansprüche und Erwartungen gestellt. Also fingen wir mit dem Gestalten nochmals von vorne an. 

 

Jahrzehnte zuvor hatte ich eine Diplomarbeit über optische Täuschungen verfasst und da dämmerte es mir, dass wir damals viele dieser Experimente machten, um Dinge sichtbar wirken zu lassen, die eigentlich nicht da waren. Da musste es drinstecken! Unsere Bibliothek umfasste einige gute Bücher zu diesem Thema und wir arbeiteten uns durch die zahllosen Bilder hindurch. Bücher lagen aufgeklappt auf den Tischen und es herrschte kreatives Chaos. Und da war es wieder, der alte Klassiker. Drei Punkte verteilt auf einem gleichschenkliges Dreieck. Nur winzige Punkte in den Ecken und das Gehirn suggerierte einem eine dreieckige Fläche dazwischen. Wenn man lange genug hinschaute, veränderte sich die imaginäre Fläche in eine hellere Farbe.

 

Nun mussten wir nur noch ein wenig experimentieren. Wir begannen also, runde Kreise in verschiedenen Grössen nebeneinander, übereinander, hintereinander zu platzieren und zu verschieben. Füllten die Kreise mit Farben, aber es wirkte wie «gekünstelt». Wir versuchten alle möglichen Kombinationen, aber die Resultate liessen zu wünschen übrig. Also..., da war nun das nächste Problem! Welche Farbe passte? Was könnte die Farbe für Design sein. Meistens verwendet man ja Schwarz oder Weiss oder beides. Aber das wollte auch nicht so richtig nach etwas aussehen. 

 

So sassen wir wieder zusammen und legten die Farbfächer und Ideen, die jeder einzelne hatte, in den «Gedankenpool». Die Pinnwand war mittlerweile wieder vollgeklebt mit Farbkombinationen. Wir versuchten, nach dem Ausschluss-Verfahren alle Farben von der Pinnwand zu entfernen, was wir auch taten. Unbemerkt hingen da in der linken oberen Ecke zwei kleine hochglanz Prägemuster-Folien, die zu einem Kundenprojekt gehörten. Da war es..., so plötzlich..., genau danach haben wir gesucht! Gold und Silber. Zwei Nicht Farben. Zwei Zustände, die eher «Luxus» und «Understatement» versprachen.

 

Der Rest war nur noch Fleissarbeit. Zwei unterschiedlich grosse runde Scheiben, die mathematisch perfekt zueinander passten und davor eine weisse Fläche. Wir hatten alle Kriterien gefunden, um ein harmonisches Symbol zu entwerfen. Der Aufwand hatte sich gelohnt, das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend. Nun musste lediglich eine Gif-Animation herhalten und wir konnten endlich zeigen, wie Unsichtbares sichtbar wurde. Das neue «point.design» - Logo war geboren und die Schokolade aufgegessen.

 

Und wenn Sie kurz vor dem Verzweifeln sind und glauben, es geht nicht, wir machen auch Ihre Idee sichtbar! Aber Schokolade muss sein...

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